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Hallo,

ich finde es an der Stelle sinnvoll, für zukünftige Diskussionen zum Thema, mal zu definieren, was ein Verschwörungsmythos ist und was nicht.

Denn natürlich wird immer wieder versucht, diese Definition zu verwässern, bzw. als unklar darzustellen oder als Etwas, das gedacht ist, um 'Andersdenkende' zu diffamieren. Damit soll natürlich, durch die Hintertür, echten Verschwörungserzählungen, die Glaubhaftigkeit und Relevanz verschafft werden, die sie nicht haben.

Vorweg: Ein bisschen Verschwörungsdenken haben wir alle. Das zu leugnen, wäre zu unkritisch, sich selbst gegenüber zu sein. Wer ausprobieren möchte, kann das mit dem Fragenkatalog machen, den Imhoff und Bruder in ‘Speaking (Un–)Truth to Power: Conspiracy Mentality as A Generalised Political Attitude’ zusammengestellt haben. Er ist teilweise auch im Buch "Fake Facts" abgedruckt. Quellen am Ende.

<aside> 💡 Verschwörungsmythen basieren auf Denkmustern, die nachweislich untauglich sind, die Wirklichkeit abzubilden.

Verschwörungserzählungen werden in der Regel nicht auf Beweise gestützt, die einer Überprüfung standhalten.

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Dennoch verschwinden Verschwörungserzählungen nicht einfach wieder oder werden nicht als Dummfug abgelegt. Sie werden von den Anhängern auch nicht verändert, wenn neue Beweise auftauchen. Stattdessen wird der Verschwörungsmythos erweitert und eine Erklärung gefunden, warum der Gegenbeweis entweder nicht gültig ist oder schlicht manipuliert.

Was Verschwörungsmythen nicht sind

Berichte (oder Vermutungen), die reale verdeckte und im Allgemeinen illegitime Vorgänge von Gruppen/Konzernen/Machthabenden betreffen.

Legt man die Definition von Eisenstein an, wäre beispielsweise jeder Investigativjournalist, jeder Whistleblower, jeder Aktivist ein Verschwörungsmystiker. Das würde den Begriff zu nichts anderem machen, als einem diffamierenden Kampfbegriff, einem Totschlagargument, um die Aufdeckung von zwielichtigen Vorgängen zu unterdrücken.

Verschwörungsmystiker nehmen für sich selbst in Anspruch, besonders kritisch zu sein. Tatsächlich sind sie oft besonders unkritisch. Ihre Kritik an Verhältnissen orientiert sich nicht an tatsächlichen Vorgängen, sondern wird pauschal ausgesprochen, ist daher Scheinkritik, der auch meist keine Aktion folgt. Denn nach vielen Verschwörungserzählungen werden wir von unsichtbaren Mächten gesteuert, die jeden Aspekt unseres Lebens kontrollieren oder kontrollieren wollen und gegen die man gar nichts tun kann. (Nur das Klaus-Dieter die neueste Chemtrail-Flugliste auf Facebook postet, können sie komischerweise nicht verhindern.): "Alle Politiker sind korrupt." "Alle Pharmaunternehmen wollen uns kränker machen, damit sie mehr Geld einnehmen.", "Es werden Chemtrails gesprüht um unsere Gedanken zu kontrollieren und die Bevölkerung zu reduzieren."

Es gilt: Wahr ist immer das Gegenteil der offiziellen Darstellung.

Führt Verschwörungsglaube aber doch zur Aktion, ist diese oft sehr gewalttätig und schreckt auch vor Kollateralschäden nicht zurück. Denn entweder sind die Opfer ohnehin Mitverschwörer oder Schlafschafe, die es auch nicht besser verdient haben.

Jüngere Beispiele für gewalttätige, durch Verschwörungserzählungen ausgelöste Ereignisse:

Checkliste

Eine Checkliste, um Verschwörungsmythen von legitimer Kritik oder Berichterstattung über reale Missstände zu unterscheiden:

Ich beziehe mich dabei auf das "Handbuch über Verschwörungsmythen" des Center for Climate Change Communication der George Mason University. Diese hat sieben Merkmale konspirativen Denkens zusammengefasst, die im Englischen das Akronym "CONSPIR" als Gedächtnisstütze ergeben.

Contradictory/Widersprüchlichkeit